Donnerstag, 15. März 2007

Managua


es ist donnerstag abend und wir sitzn im internetcafe in MANAGUA...draussen hats schaetzungsweise noch immer ca. 30degrados oder mehr...bienvenido in la capital grande de nicaragua!
HOLA!

am samstag sind wir von san juan del sur nach managua, die erste etappe habe wir mit dem spanischkurs nun hinter uns. die vier wochen san juan del sur haben gepasst und es war der richtige zeitpunkt von dort abzureisen - die letzten beiden spanischkurs-wochen waren gleich nett wie die ersten beiden, in der gastfamilie waren wir zwischenzeitlich fuenf estudiantes und mit der zeit kamen wir immer mehr drauf, dass unsere ultra-konservative gastfamilie mit den studenten dass totale business betreibt. einiges war am ende in der gastfamilie zu hinterfragen, wofuer aber hier (im weblog) nicht der platz ist, dennoch aber waren die vier wochen san juan del sur ein erster intressanter einblick in das nicaraguensische leben...


eine nachmittagsaktivitaet und wir haben dabei beide die lust nach mehr am reiten entdeckt
jacob und renae, zwei wohnungskollegen/innen

unsere zertifizierung zum intermedio bzw. fortgeschrittenen anfaenger

die letzen beiden wochen vor unserer abreise aus san juan haben sich die stimmen diverser spanischlehrer und andren nicaraguensischen personen gemehrt, "managua, muy peligroso y mucho ladrónes..."...sehr gefaehrlich und viele Diebe. eine dame meinte, sie glaube nicht, dass wir dreieinhalb monate hierbleiben werden, da neben den gefahren der strasse auch der verkehr sehr stark ist. naja, hatten dann doch grossen respekt vor der stadt, als wir samstags in managua ankamen. aber gleich vorweg: natuerlich unterscheidet sich das grosstadtleben hier etwas zu dem in europaeischen grosstaedten (zb. punkto armut, infrastruktur), aber es ist ganz und gar nicht so, dass jetzt hinter jeder ecke ein boesewicht lauert wie es uns manche menschen vermitteln wollten...und verkehrsmaessig spielt sich in graz gleich viel ab wie hier, gehupt wird hier halt duzendfach mehr, etwas mehr abgase der uralt-autobusse (die alten amerikanischen schulbusse) und unendlich viel muell.
wir sind dennoch eigentlich nach unseren ersteindruecken beide sehr positiv ueberrascht von managua, haetten es uns wilder vorgestellt. natuerlich muss man aufpassen, aber wir sind immer und ueberall auf der hut und fuehlen uns bislang sehr gut aufgeboben.

managua und sein stadtbild sind sehr stark gepraegt von der geschichte: sie liegt plattentektonisch sehr unguenstig, so dass es mit bestimmten zeitabstaenden zu starken erdbeben kommt. die letzten beiden waren in den jahren 1931 uns 1972, dass vor tiefe spuren hinerlassen hat. die ganzen finanziellen hilfsmitteln, die nicaragua aus der ganzen welt zugesandt wurden, streifte die familie somoza ein, ohne dass irgendein córdoba dem wiederaufbau oder der unterstuetzung der massenhaft obdachlosen menschen zu gute kam.
auf dem folgenden bild sieht man zb. ein hochhaus (das einzige in managua), daneben stand ein zweites, dass bei dem erdbeben zusammenfiel. gleich in der naehe befindet sich die maechtige alte kathedrale, die ebenso nur mehr eine ruine ist usw. und auf dem bild im hintergrund sieht man ein bisschen den lago de managua.


die stadt waechst und waechst (wie auch nicaragua selber) punkto bevoelkerung enorm schnell. momentan hat managua ca. 1,1 millionen einwohner, ein fuenftel der nicaraguanischen bevoelkerung lebt hier. die stadt selber hat kein zentrum - das stadtbild setzt sich im norden aus dem lago de managua im sueden aus den bergen und vulkanen, und dazwischen den barrios (stadtteilen), rotondos (die kreisverkehre - die orientierungspunkte) und den pistas (den hauptstrassen) zusammen. wie gesagt, viel wurde von der stadt zerstoert, danach entwickelte sich die stadt in alle richtungen und drunter und drueber weiter.

strassennamen gibt es keine wirklichen. namen haben die barrios, rotondos und wenige pistas. die adressen setzen sich vor allem aus orientierungspunkten und den vier himmelsrichtungen (al lago fuer norden, al montaña fuer sueden, arriba fuer osten - wo die sonne aufgeht - und abajo fuer westen wo sie untergeht).

unsere adresse in der CASA MIRIAM, wo wir wohnen und sich sarah's praktikumsstelle befindet, hat z.B. drei anschriften:
Casa Miriam, Altamira, del Restaurante La Plancha II, 2 1/2 c al lago, Casa MIRIAM # 335, Managua, Nicaragua. also im barrio altamira, zweieinhalb blocks neben dem restaurant la plancha II in richtung norden, die nummer 335.
oder: contiguo al parque del antiguo cine Altamira (actual supermercado Palí), casa # 335. also neben dem park neben dem alten kino altamira, was jetzt der supermarkt namens palí ist. hier ist dazuzusagen, dass es adressen und wegbeschreibungen gibt, die sich an gebaeuden orientieren, die es seit 1972 und laenger nicht mehr gibt.
die dritte variante ist aehnlich wie die zweite: Casa Miriam, que sita contiguo al parque de donde fue el cine Altamira, numero 335.
auf jeden fall ist das mit der orientierung und diese zu finden spannend und wird eine immer wieder nette aufgabe in den naechsten wochen.

unser zu hause fuer die naechste zeit: die Casa Miriam:



das wetter: managua ist ein einziger dampfkessel mit einem jahresschnitt von mehr als 28grad, vor allem von maerz bis mai hat es bestaendig ueber 30grad bei tag und nacht. wir schwitzen. es wuerde zwar den lago managua geben, aber der ist seit den 70iger wild verdreckt, und der lago tiscapa inmitten der stadt hat kein wasser mehr...

praktikum und arbeit: bevor dieser weblog eintrag zu lange wird schreiben wir die naechsten male mehr dazu. aber: sarah hat am montag mit ihrem praktikum in der rechtsberatung fuer frauen in der CASA MIRIAM begonnen, stefan beginnt am kommenden montag in einem projekt 'hombres contra violencia' zu arbeiten.

und zum abschluss: uns beiden geht es ausgezeichnet, punkto arbeiten, stadt erleben und spueren, spanisch, menschen, temperaturen verarbeiten etc. tut sich viel, es taugt uns einfach! und nochmals und wieder: danke fuer die netten und lustigen kommentare und eintraege, der weblog lebt und wir freuen uns immer sehr darueber!
muchos saludos, sarah und stefan

Donnerstag, 1. März 2007

San Juan del Sur II

hallo ihr lieben menschen da draussen
in der grossen weiten welt!


am strand von el ostional, einem dorf nahe der costa ricanischen grenze

wir senden euch per "luftpost" ;-) eine umarmung! danke fuer eure schoenen zeilen, es ehrt uns sehr, dass ihr unsre zeilen verfolgt...

que tal? wie geht`s euch so?
uns geht`s sehr gut. jeder tag ist ein kleines steinchen mehr auf dem weg der erfahrungen. nach dem wir schon ein wenig gelandet sind in nicaragua, wenn auch in sehr behueteter umgebung, entdecken wir immer mehr kleine dinge, die dieser wundervollen kultur, die sich aus sehr schwerer geschichte formte, anghoeren. dieser kultur, die doch sehr anders ist als die unsere.

das letzte bier gemeinsam mit sevi!

mittlerweile beenden wir schon die dritte woche spanischunterricht, die fortschritte dessen auessern sich zwar mehr in knoten und sprechblockarden, aber wahrscheinlich und hoffentlich wird sich auch irgendwann mal ein ersichtliches resultad zeigen! bitte!!!! sevi hat uns auch schon verlassen und belebt schon wieder das ferne oesterreich! ganz liebe gruesse, te abrazamos fuerte!!!!

la escuela de san juan, ein besuch von der sprachschule aus

in der sprachschule diskutieren wir auch viel ueber die gesellschaftsunterschiede oesterreich-nicaragua. oder europa-mittelamerika. unsere lehrer, david und zaira, sind beide noch sehr jung, doch sehr offen und diskutierbereit, was sehr viel spass bereitet und dabei lernen wir auch viel ueber das land und seine geschichte. auch die ausfluege und aktivitaeten sind oft sehr spannend. hier haben wir die oeffentliche schule in san juan besucht, sehr interessant, und man, da "wurdelts" in der pause!!! ein lehrer der "primaria" (vergleichbar mit der volkschule) verdient im monat durchschnittlich 120$.

david und stefan am plaza del coco

fuer die kulinarisch interessierten unter euch, ich haette ein rezept fuer euch, um mal schwung in die kueche zu bringen!

ENCHILLADAS

ingredientes: harina (maza) de maiz pollo cebolla, ajo chiltomas, tomates, zanahorias queso, sal, pimiento, aceite, aqua

preperación: mezclar la harina, queso rallaclo, achiote y aqua; despues amasar -> echar cebolla rallada

relleno:
cocer el pollo con ajo, chiltoma, cebolla y sal, despues dermenuzarlo; sofreier el pollo con cebolla, chiltoma ojo y pimienta; hacer una tortilla y agregar el relleno hacer una empanada y se frié en el aceite caliente! !listo!
Buen provecho!

Mit Salat schmeckt das ganze ganz fein! zwar fettig, aber da kommt man hier wohl nicht aus!


zaira und sarah am playa del coco!

gestern haben wir auch ein waisenhaus in rivas besucht, dort leben 38 kinder bis zu 8 jahren, und eines ist lebendiger als das andere! schoen anzusehen diese lebendigkeit, wenn auch das herz ein bisschen schmerzt dabei!

ein besuch im "orfanato" (waisenhaus in rivas) "los nuestros pequenos hermanos"

ach ja, ich hab noch einen buchtipp fuer euch:
Der Meister und Margarita von Michail Bulgagow
hab mich einige abende jetzt sehr amuesiert mit den magischen geschichten!
bis bald ihr lieben, viele gedanken und sonnenstrahlen sollen euch erwaermen! alles liebe sarah!


...und noch ein paar Zeilen hinten ran...was hat sich getan - ein kleiner Auszug...


Vom Wetter her hat sich insofern einiges getan, dass wir unsren ersten Regen hier miterlebten und anschliessende Winde und leichte Stuerme fuer ein paar Tage. Jetzt hat sichs aber seit dem letzten Wochenende geaendert und zwischendurch steht die Luft foermlich – herrlicher Sommer und herrliches Wetter, aber auch eine sehr anstrengende Hitze, die an den Kraeften zerrt. Zur Staerkung gibts viele Bohnen und Reis zu essen, oder auch gallo pinto, Bohnen mit Reis gemischt, dazu Eier, oder pollo, oder Bananen, oder ein bisschen Gemuese. Oder zum Beispiel Enchilladas...

Mittlerweile leben wir mit 4 Hunden bei der Familie. Der Weg zu unsrem kleinen Haeuschen im Garten ist im Dunklen teilweise ein Spiesrutenlauf, um auf keinen Hundeschwanz zu treten. Aber es lauft weiterhin gut in der Familie und auch unsrer Tigerente gefaellts mir ihren Spielgefaehrten...

Das Spanisch wird besser und wir koennen mehr mit den Menschen kommunizieren, sowohl mit der Familie als auch mit den Spanischlehrern (die fast nur spanisch sprechen). Das heisst wir bekommen mehr und mehr Geschichten von und ueber Nicaragua erzaehlt, vom Leben in den Familie, vom Sozialen, vom Politischen, vom Kulturellen usw.

Kurz umrissen ist die Geschichte Nicaraguas, so wie wir bisher drueber gelesen haben und Geschichten hoerten, eine immerwaehrende sehr stark von den USA abhaengige. Nach der Unabhaengigkeit von den spanischen Konquisatoren fiel Nicaragua sehr schnell in die Fittiche der Nordamerikaner, vor allem wegen der Goldsuche und dem Wunsch der Amerikaner, durch Nicaragua einen Kanal zu bauen (der dann spaeter in Panama errichtet und damit von den Amerikanern gleich ein ganzes Land geschaffen wurde).
Der Einfluss der Amerikaner dauert bis heute noch an, hinzu kam es in der Geschichte immer zu Auseinandersetzungen zwischen liberalen und konservativen Parteien. Diese Auseinandersetzungen wollte die USA schlichten und kamen daher mehrmals vorort nach Nicaragua und blieben einfach (um neben dem Streitschlichten auch ihr Imperium ausbauen zu koennen). Zwischen 1927 und 1933 kaempfte dagegen erfolgreich ein kleines Heer von den Parteien unabhaengiger Bauern an mit dem Ziel, ein unabhaengiges Nicaragua zu schaffen. Angefuehrt wurden die Freiheitskaempfer von Augusto Sandino, der es vollbrachte, die US-Amerikanischen Besatzer zu vertreiben, jedoch 1934 von Somoza Garcia umgebracht wurde.

Eines der immerauftauchenden Bilder von Sandino:


Nach Sandino wurde die 1961 gegruendete Partei Frente Sandinista de Liberación Nacional (FSLN) gegruendet. Diese kaempfte gegen die Diktatur der Familia Somoza an, die in den 1930er Jahren begann und 1979 von den Sandinisten gestuerzt wurde. Die Diktatur war dabei unter anderem durch starke Korruption, Verfolgungen und Ermordungen der eigenen Bevoelkerung gekennzeichnet. Unterstuetzt wurde in diesen gesamten Jahrzehnten der Diktatur die Familia Somoza von den USA, die so ihren Einflussbreich sicherstellten und mit den Somozas einen sicheren und willigen Handelspartner hatten.
In den folgenden Jahren uebernahm die FSLN die Macht in Nicaragua. Mit ihr kam es z.B. zu vielen sozialen Reformen, Alphabetisierungskampagnen oder Neuaufteilungen von Landflaechen, die vormals der Familia Somoza gehoerten (ueber 50% der Landflaechen) und nicht genutzt wurden.
Jedoch kam es in den 80er Jahren wieder zu einem Buergerkrieg: die ehemalige Nationalgarde der Familia Somoza, von der Regierung Ronald Reagan unterstuetzt gegen die Sandinisten, die in Nicaragua ihren eigenen sozialistischen Staat aufbauen wollten. Dieser Buergerkrieg dauerte bis 1990 und endete schliesslich mit einem Regierungswechsel und der Entwaffnung des Militaers. Es begann die Zeit liberaler Regierungen.
Die Sandinisten und damit Nicaragua fuehrte nach dem Sturz Somozas bis 1990 Daniel Ortega an, der seit November 2006 wieder Praesident ist. Ihm wird nachgesagt, dass er ebenso korrupt war in den 80er Jahren wie die Regierung in den Zeiten der Diktatur. In den 90er Jahren hat sich das Korruptionsproblem nicht viel veraendert. Laut den Meinungen hier wird nach wie vor gepaklt, Pakte zwischen liberalen Parteien, Katholischen und der FSLN unter Ortega eingegangen um die Macht zu halten und neueren politischen Bewegungen keine Chancen zu geben. Bei den letzten Praesidentschaftswahlen haette es einen Kanditaten, Herty Lewites, gegeben, der gewinnen haette koennen und dadurch einen Umschwung ohne Korruption und Ausverkauf des Landes haette bewirken koennen. Dieser jedoch starb vier Monate vor den Wahlen an einen Herzinfarkt und seine Partei der Neuen Sandinistischen Bewegung verlor die Wahlen.

Was in San Juan zu merken ist ist die rege Bautaetigkeit US-amerikanischer Immobilienfirmen. Das Land der Campesinos hier wird zu billigen Preisen fuer die Amerikaner, jedoch fuer viel Geld fuer die Campesinos verkauft. Der Tourismus nimmt hier Einkehr und die ersten kleinen Wolkenkratzer und Appartmenttempel werden gebaut. Die Leute hier meinen vamos a ver, wir werden sehen was kommt und wie es weitergeht.

Und auch ich und wir werden sehen was kommt...das war kurz umrissen ein kleiner Auszug aus der Geschichte Nicaraguas...bei uns gehts weiter, jetzt einmal an den Strand (es wird langsam heiss im Internetcafe) und in eineinhalb Wochen dann weiter nach Managua...vamos a ver, muchos saludos, esteban